Photovoltaik-Preise

Die Entwicklung der Photovoltaik-Preise in den letzten Jahren ist erstaunlich: Ein Preisrutsch von rund 90 Prozent – und dieser bei einem Hightech-Produkt, das den Herstellern über Jahre hin förmlich aus den Händen gerissen wurde. Wie kommt das zustande?
Als Ende der 1980er die Photovoltaik die ersten unbeholfenen Schritte von der Raumfahrt herunter gegangen war und auf Erden langsam Fuß fasste, mussten die Solarzellen-Hersteller pro Kilowatt Leistung noch knapp 15.000 Euro fordern. 2012 sind es nicht einmal mehr 2000 Euro.

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Die Preisentwicklung der Photovoltaik in den letzten 6 Jahren

Eine Entwicklung der Photovoltaik-Preise, die vor 20 Jahren kaum abzusehen war. Eingeleitet wurde sie durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) von 2000 und seinem Vorläufer, dem Stromeinspeisungsgesetz von 1991. Sensationell und innovativ wurden mit ihnen erstmals Energiegesetze geschaffen, die nicht die herkömmliche Industrie subventionierten, sondern die Bürger selbst in Stand setzte, sich dezentral an der Energieversorgung zu beteiligen. Das Erneuerbare-Energie-Gesetz gibt Bürgern, die Anlagen zur Energieerzeugung betreiben, Investitionssicherheit, zugleich reizt es die Solarzellen-Hersteller an, ihre Produkte stetig zu verbessern und kostengünstiger zu machen. Die spektakuläre Neuerung beider Gesetze liegt darin, dass sie etwas zuvor Undenkbares in die Tat umsetzen: Stromversorgung ist etwas, das die Bürger in die eigenen Hände nehmen können.

Innovation EEG

Das EEG legt eine Abnahmeverpflichtung der Netzbetreiber für Strom aus regenerativen Quellen fest und regelt auch die Höhe der Einspeisevergütung abhängig vom Installationsjahr, festgelegt auf jeweils 20 Jahre. Zugleich sorgt die sinkende Höhe der Einspeisevergütung für die dramatisch sinkenden Photovoltaik-Preise – und ein Ende dieser Preisentwicklung kommt erst langsam in Sicht.

Heute kann die Photovoltaik als weitgehend ausgereift gelten. Schon jetzt produziert sie aufgrund ihrer günstigen Preise zu Kosten, die nahe bei denen des Haushaltsstroms der großen Energieversorger liegen – zum Teil sogar schon darunter: Und die Forschung und Entwicklung geht unvermindert weiter.

Was bedeutet das für die Zukunft? Zunächst einmal, dass der Strom aus der Photovoltaik kostengünstiger ist als sein Ruf es glauben machen will – die enormen Fördersummen, die immer wieder durch die Presse geistern, bei – wie es heißt – gleichzeitig prozentual geringem Anteil der Photovoltaik am Energie-Gesamtaufkommen, dies gehört einer Vergangenheit an, in der die Photovoltaik-Preise tatsächlich extrem hoch waren. Heute ist die Photovoltaik hingegen auch im Preisgefüge konkurrenzfähig: Der zukünftige Zubau der Photovoltaik ist durch die gestiegene Effizienz und die gesunkenen Preise marktreif und durchaus konkurrenzfähig. Allein die aus früheren Jahren übernommenen Verpflichtungen verschieben das Bild.

Photovoltaik-Preise: Gründe der Entwicklung

Die auf dem EEG basierenden Gründe für diese einzigartige Entwicklung der photovoltaischen Technik einerseits und der Photovoltaik-Preise andererseits sind folgende:

  • Höhere Rentabilität: Produktion großer Stückzahlen durch gestiegene Nachfrage ermöglicht sinkende Preise
  • Verbesserte Produktqualität: Technische Weiterentwicklungen der Photovoltaik, die gute Ergebnisse mit weniger Aufwand erzielen lassen, senken die Photovoltaik-Preise weiter
  • Höhere Produktivität: Verbesserte Arbeitsabläufe auf Seiten der Solarzellen-Hersteller sorgen für zusätzlich fallende Fertigungskosten

Davon unabhängig ist in den letzen Jahren ein weiteres Moment für die fallenden Photovoltaik-Preise hinzugekommen. Asiatische Solarzellen-Hersteller drängen seit einigen Jahren verstärkt auf den Markt – anders als die deutsche Gesetzgebung förderte die chinesische Regierung bis vor kurzem nicht etwa PV-Kunden, welche die Preise für die Photovoltaik zu entrichten haben, sondern die Solarzellen-Hersteller durch langfristige und zinsgünstige Darlehen. Die chinesischen Produzenten konnten durch diese Subventionspolitik ihre Kapazitäten deutlich erhöhen und ihre PV-Module konkurrenzlos günstig anbieten.

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Photovoltaikmodule in der Herstellung

Wie eine Statistik der Solarzellen Hersteller bei “Statista” zeigt, waren 2010 und 2011 sieben der zehn größten Hersteller asiatischer Herkunft – ein Erfolg, der so aber nur mit Hilfe des internationalen Absatzmarktes möglich war, der sich aufgrund des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (das ganz oder in Teilen in über 40 Staaten der Welt nachgeahmt wurde) entwickelt hat. Es sind aber vor allem aber auch die internationalen und die deutschen Konsumenten, die zugleich von den Auswirkungen dieser Entwicklung der Photovoltaik-Preise profitieren können. Immerhin sind die Preise der asiatischen Solarzellen-Hersteller um die 10 – 20% günstiger als ihre europäischen Konkurrenten.

Und niedrigere Preise bedeuten hier nicht gleich schlechtere Qualität. Die chinesischen Photovoltaik-Hersteller sind sich des Sicherheitsbedürfnisses ihrer Kunden weltweit durchaus bewusst. Die Solarzellen asiatischer Hersteller werden z.B. in Deutschland natürlich genauso sorgfältig getestet wie die Produkte europäischer Photovoltaik-Hersteller – der TÜV Rheinland ist mittlerweile sogar mit einem eigenen Prüflabor in China vertreten und hat bisher über 100 chinesische Photovoltaik-Hersteller zertifiziert. Asiatische Solarzellen stehen den europäischen in der Qualität in nichts nach.

Bedeutet der globale Kampf um die Preise der Photovoltaik nun das Aus für deutsche Photovoltaik-Hersteller? Einige renommierte deutsche Solarunternehmen mussten bereits die Segel streichen. Dennoch steigt die Zahl der in der PV-Branche Beschäftigten – schließlich müssen auch die in China hergestellten Solarzellen in Deutschland von hiesigen Handwerkern installiert werden. Aber nicht nur im hiesigen PV-Handwerk entstehen immer mehr Arbeitsplätze. Eine EU-Direktive verlangt, dass ab 2019 alle öffentlichen Gebäude und ab 2021 alle neu gebauten Privathäuser Null- oder Plusenergiehäuser sein müssen – d.h sie müssen mindestens so viel Strom produzieren, wie sie verbrauchen.
Das lässt auch in Forschung und Entwicklung weiterhin neue Arbeitsplätze entstehen. Nupur Sinha, die Photovoltaik-Analystin des Marktforschungsinstitutes Frost & Sullivan sagt voraus:

„Im nächsten Jahrzehnt werden aus Deutschland und den USA die wichtigen Innovationen kommen, während China sich als Hersteller von Solarmodulen etabliert«.

Wie weit deutsche Entwickler sind, zeigen z.B. Andreas Bett und Hansjörg Lerchenmüller vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE). Für die Entwicklung von Mehrfach-Solarzellen mit Halbleiterverbindungen waren die beiden für den Deutschen Zukunftspreis 2011 nominiert: Diese Solarzellen für Spezialanwendungen erreichen einen sagenhaften Wirkungsgrad von 41,1%.

Bei der sagenhaften bisherigen Entwicklung von Photovoltaik-Preisen scheint heute auch für die Zukunft alles möglich: Wenn die Preise für Photovoltaik weiter so fallen wie bisher, sind eines Tages vielleicht auch Solarzellen wie die des ISE für die Anwendung in privaten Photovoltaikanlagen durchaus profitabel.



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