Jun 30

Energieeffizienz könnte 6 Atomkraftwerke überflüssig machen

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hat zusammen mit dem Heidelberger ifeu-Instituts für Energie- und Umweltforschung ein Maßnahmenpaket zur Stromeffizienz erarbeitet. Mit den darin vorgestellten Maßnahmen könnte  bis 2020 der Verbrauch in Deutschland allein durch den effizienten Umgang mit Energie um die Jahresleistungen von 6 Atomkraftwerken reduziert werden. Würde die Energieeffizienz richtig durch den Staat gefördert und die Gewinnung von Strom aus regenerativen Energiequellen weiter ausgebaut, könnte man bis 2020 sogar ganz auf Atomstrom verzichten.

Wichtiger Bestandteil des von BUND und ifeu-Institut entwickelten Programmes ist die Einrichtung eines Stromsparfonds. Dieser Fond müsste ein jährliches Volumen von 300 Millionen Euro haben  und ließe sich durch Einnahmen aus dem CO2-Zertifikate-Handel und der Erhebung eines “Effizienz-Zehntel-Cents” auf jede Kilowattstunde Strom finanzieren. Dass dieses Modell erfolgreich ist zeigen Dänemark und Großbritannien, die bereits ähnliche Fonds eingerichtet haben.

Wie dieser Stromsparfond verwendet werden sollte, erklärte Martin Pehnt vom ifeu-Istitut:

“Die Mittel des Stromsparfonds müssen vor allem für Energieberatungen einkommensschwacher Haushalte, zum Austausch Strom fressender Elektrogeräte und zur energetischen Optimierung technischer Systeme wie Klima-, Lüftungs- und Druckluftanlagen eingesetzt werden. Dringend erforderlich ist außerdem ein “Top-Runner-Programm”, das zur Durchdringung des Marktes mit besonders sparsamen Elektrogeräten führt.”

Der BUND wirft der Bundesregierung allerdings vor, die politsch gewollte Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke legitimieren zu wollen und daher keine Maßnahmen, die zur Steigerung der Energieeffizienz führen könnten, im energiepolitischen Gesamtkonzept vorzusehen.

“Neue Kohlekraftwerke, längere Laufzeiten für die deutschen Atommeiler und ein steigender Stromverbrauch sind wesentliche Hindernisse beim Aufbau einer zukunftsfähigen Stromversorgung”

“In dem von der Bundesregierung für den Herbst angekündigten Energiekonzept droht ein entscheidender Faktor völlig vernachlässigt zu werden – die Steigerung der Energieeffizienz. Der Atomausstieg kann schneller als gedacht vollzogen werden, wenn das riesige Sparpotenzial effizienter Technologien mobilisiert wird. Bestandteil eines nationalen Energiekonzeptes muss ein gesetzliches Einsparziel beim Primärenergieverbrauch von mindestens zwei Prozent pro Jahr sein”

BUND-Vorsitzender Hubert Weiger.

Weiger forderte Bundesumweltminister Röttgen auf, ein Energiekonzept ohne jede Laufzeitverlängerung und mit ambitionierten Energieeinsparzielen durchrechnen zu lassen. Angela Merkels Worten, Deutschland “zum Weltmeister” in Sachen Energieeffizienz machen zu wollen, müssten nun endlich Taten folgen. Denn mit dem Scheitern des Energieeffizienzgesetzes habe die Bundesregierung sich bisher leider ins europäische Abseits befördert.

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